Eigentlich fing alles an wie immer… Viele Gerüchte während des Sommers - wer kommt, wer geht, wird es das Team der letzten Saison weiter geben. Fest stand bald, dass Birgir Birgisson das Team nach 3 Jahren verlassen würde, was ihm nicht leicht fiel. Und dem Team noch weniger. Skeptisch wurde der „Neue“ betrachtet. Bogdan Suciu, selbst erfolgreicher Basketballer und mit den Telekom Mädels erfahrener Damen Coach, brachte neuen Wind in die bisher so angenehmen Strukturen des Teams. Pünktlichkeit und Disziplin, Kondition und Arbeit am Detail und nicht zuletzt Motivationsreden und –Taten (im Training an der Wand zu bewundern) wurden zuerst durchaus mit Skepsis betrachtet.
Unmut brachte auch die damit verbundene neue Konstellation des Teams – zusammengehäuft aus dem Rest der Telekoms Mädels, den Oldies-but-Goldies, den Youngstern, die gleichzeitig in der Bundesliga weiter gefördert werden sollten und dem ein oder anderen, der irgendwo dazwischen hingehörte – die Devise hieß: Neues Spiel, neues Glück!
Nicht jeder hielt leider der Umstellung Stand und so verließen Center Steffi Bayer und Jenny Friedmann aufgrund der Doppelbelastung mit Job schon bald erst der Mut und dann das Team. Die Andern bissen sich durch, doch die Gruppe blieb gespalten. Zu unterschiedlich war die Spielweise der Einzelnen. Während die Telekomer im Eins-gegen Eins glänzten und untern vollem Einsatz den Kopf über das Unverständnis der Anderen schüttelten, ballten diese die Fäuste, wenn die Pässe auf den freien Mann ausblieben, die Erfahrung im Spiel einfach zu fehlen schien und der Kampf um die Positionen ungeahnte Maße annahm. Wo sollte dieser Weg nur hinführen? Dass dies auf Dauer nicht gutgehen konnte, war jedem klar.
Dann traf auch noch das Schicksal zu, als sich Dagmar Hahne im Training schwer verletzte und mit Kreuzbandanriß längere Zeit auszufallen drohte. Sie gab nicht auf – doch alle Reha Maßnahmen konnten ihr nicht helfen, als sie sich im ersten leichten Training nach wochenlangem Aufbau direkt wieder das Knie verdrehte. Damit war klar, dass das Team diese Saison ohne die starke Flügelspielerin und Vermittlerin zwischen den „Fronten“ auskommen musste.
So begann die Saison Anfang September mit einem mühsamen Arbeitssieg gegen Neuss, begleitet von viel Missmut innerhalb der Mannschaft, denn nicht viel passte da zusammen. Und die Aussicht, dass diese Lücke rechtzeitig geschlossen werden könnte war eher geringer Natur. Auch die Spielpause direkt am 2. Spieltag ließ die Mannschaft in keinen Spielrhytmus finden. Die deutliche Niederlage gegen die starken Frankenberger am 3. Spieltag zeigte, dass viel Arbeit vor der Mannschaft lag. Vielleicht sollte die Pause in den Herbstferien da gelegen kommen. Doch nach den Ferien schien das Desaster nur noch grenzenloser, als sich die nächste Niederlage gegen den späteren Tabellensiebten Barmer TV nahtlos anschloss. Die Stimmung war eisig bei der BG, die große Motivation schien im Keim erstickt. Im Training knallte es, Fronten wurden geklärt, jeder mußte seine bittere Pille schlucken und in der Mannschaft sich seine Rolle für die Saison zu suchen – und zu finden!
„Zu verstehen, dass der Erfolg einer Gruppe an höchster Stelle steht, ist fundamental, um ein produktives Mitglied eines TEAMS zu sein “ (John Wooden, ehemaliger Coach UCLA)
Kerstin Gebel und Neele Nussbaum brachten den Zug ins Rollen und spielten die wohl größte Saison und sich die Seele aus dem Leib. Auf diesen fahrenden Zug aufzuspringen, war für den Rest sehr leicht. Siege gegen Köln (59:65), Essen (83:57), Oberhausen (74:52) und Düsseldorf (65:57) brachten den Spaß und die Arbeitsmoral zurück. Im Training wurde konzentriert zuerst eine Struktur in die Offensive gebracht, mit der alle Leben konnten. Das Tempo wurde hochgehalten und nach und nach an der Defensive gearbeitet. Da das Grundgerüst nun stand , begann Coach Suciu die einzelnen Waffen des Teams weiter auszubauen. Was ihm gelang. Jeder hatte nun inzwischen erkannt, dass in dem Team die optimale Mischung zu finden war. Ob es immer wieder Kerstin und Neele waren, die abwechseln aus allen Lebenslagen zu treffen zu schienen, the „Anja-Zone“, die nun öfter gefunden wurde und Anja Weber Hundert Prozent brachten, die Center Sera Kadiata, die wie ein Flummi mit go-go-gadgetto-Arms die Bälle aus der Luft fischte, Dr. Anke Schneider, deren Ellenbogen niemand abbekommen möchte, wenn sie sich unter dem Korb durchsetzt oder Kathi Gömann, die anfing ihre Bundesligaerfahrung im Team einzubringen. Inga Noll und Jasmin Wonik machten einen unglaublichen Sprung in der Entwicklung, gewannen an Selbstvertrauen und schienen endlich Spass am Spiel zu finden – was der Gegner oft schmerzlich merkte. Als der Flügelflitzer Eva Tolskdorf sich in der Saison verletzte, sprangen andere in die Bresche und hielten das Tempo im Angriff hoch. Und auch diejenigen, die den Anderen Pause verschaffen sollten , wie Gine Reiser und Lena Minch, stellten sich voll in den Dienst der Mannschaft und gaben sowohl von der Bank, als auch in der kurzen Einsatzzeit alles was ging. There is no „I“ in Team.
Mit der Devise „1…2..3…TEAM“ wuchs die Mannschaft, begann sich zu vertrauen und letztendlich macht Siegen einfach Spass. Das mussten dann auch Südwest Köln (46:60) und Kamp-Lintfort (89:72) erkennen.
In der Rückrunde wurde an die Leistung angeknüpft und Neuss mit 15 Punkten ungefährdet geschlagen (69:54). Allen war klar, dass das Spiel gegen Frankenberg entscheidend für den Verlauf der Saison werden sollte. Die Anspannung war hoch, die bittere Niederlage schien jedoch verdaut. Das Spiel Mitte Januar begann, als ob es Gleichstand in der Crunch Time wäre. Die Starting Five kämpfte wie die Bären und punktete aus allen Lagen. Einen Sieg würde man Frankenberg heute nicht schenken – so schien es. Doch 5 Minuten im dritten Viertel reichten, um die Träume zerplatzen zu lassen. Am Ende gewann Frankenberg nicht zuletzt aufgrund der hohen Freiwurfquote mit 19 Punkten (60:79).
Aber die Saison ist lang und auch der vermeintlich zu starke Gegner ließ gegen andere Teams Federn. Sich um den Erfolg bringen lassen wollte das Team der BG sich jetzt jedoch nicht mehr. Ja das Team – Zuckerpässchen versüßten nun die Spiele und wer sagt, dass Damenbasketball unattraktiv ist, sollte mal wieder in der Halle vorbeischauen. Kreisligabasketball sieht anders aus.
Barmen wurde mit 69:79 geschlagen und im Spiel gegen Köln zeigte das Team Charakter und Spielverständnis, vertraute im letzten Spielzug auf - immer-wieder-Kerstin -, die bisher an diesem Tag alles andere als ein glückliches Händchen gehabt hatte – und wurde natürlich nicht enttäuscht. Mit einem unglaublich abgezockten Dreier aus dem Standardsystem gewann Kerstin und das Team in den letzten Sekunden mit 73:70. Work on the details - and execute…
Die Freude des Teams sollte schnell getrübt werden. Es war einer dieser verdammten schwarzen Sonntage. Mitten am Tag, die Beleuchtung in der Halle trübe, unkonzentriert und der Schiedsrichter muss ein Exempel statuieren. Die BG hatte an diesem Tag keine Chance. Versuche, sich an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, wurden nicht zuletzt von den Unparteiischen schnell im Keim erstickt. Und das Team wußte nicht, sich selbst zu helfen. Eine ärgerliche knappe 80:77 Niederlage, bei der fast jeder sich an die eigene Nase fassen mußte. Zu sehr verließ sich das Team auf den Capitano Neele und Kerstin, die an diesem Sonntag nicht alleine die Fehler des Teams kompensieren konnten.
Dennoch tat die Niederlage der konzentrierten Arbeit des Teams keinen Abbruch. Siege gegen Brauweiler (59:46) und Düsseldorf (53:58) waren eine reine Teamleistung , vor allem, da sich die Gegner aus der Hinrunde nun auf die Topscorer der BG eingestellt hatten. Ein knapper Sieg mit sechs angereisten Spielerinnen gegen Oberhausen (67:72) und immer-wieder-Kerstin, die eiskalt einen Sieg an der Freiwurflinie gegen Südwest einfuhr (76:66) zeigten allen Kritikern – auch im eigenen Verein - , dass dieser Haufen dank eines geduldigen und hervorragend arbeitendem Coach in so kurzer Zeit zu einem starkem Team gewachsen war.
Am letzten Spieltag ließ die BG sich den 2. Platz nicht mehr nehmen und präsentierte mit tollen Pass-Stafetten, hervorragender Team-Defense und vor allem Spass, Spass, Spass, was niemand für möglich gehalten hatte –
There is no “I“ in Team.